„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert“

Albert Einstein.

So begann Sahra Wagenknecht, Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, die Buchlesung im Refektorium Doberlug-Kirchhain. Jeder merkt, dass es so nicht weitergehen kann, sie verstehen die Kritik an der Gesellschaft, aber fragen auch, wie könnte es gehen. Das Auseinanderdriften zwischen Arm und Reich in der Gesellschaft ist nicht zwangsläufig zu akzeptieren. Die Entwicklung, nicht nur in Europa, ist beunruhigend.

60 Mio. Menschen haben durch kriegerische Konflikte ihre Heimat verloren, sind auf der Flucht. Auch in den entwickelten Industriestaaten gibt es immer mehr Armut. Im 18. Jahrhundert gab es den Spruch des „Sonnenkönig“ Frankreichs: „Nach mir die Sintflut“. Die Frage stellt sich heute wieder. Wurden bislang die unteren Einkommensschichten langsam von der reichen Schicht nachgezogen, stagniert seit Jahren der Lebensstandard.

Es stellt sich die Frage: „Warum akzeptieren die Mehrheit der Bürger die Ungerechtigkeit?“ 1 % der Bevölkerung im 18. Jahrhundert galten als reich, hatten Einfluss auf Gesetz und Recht. Gleiches gilt für das 21. Jahrhundert. Vor 350 Besuchern stellt S. Wagenknecht auch klar, wir müssen die Produktion umstellen, den Wachstumswahn um jeden Preis abwenden. Die Märkte sind nicht die Schuldigen, die gilt es zu schützen, da sie wettbewerbsfördernd wirken können. Aber wichtig ist auch, in der Daseinsvorsorge hat der Markt nichts zu suchen. Werden im Gesundheitswesen immer mehr Stellen ausgegliedert, geht es zu Lasten der Qualität.

In der anschließenden Diskussion stellt die Fraktionsvorsitzende noch einmal klar, der Kleinunternehmer ist nicht der Gegner, der beutet sich selbst am meisten aus. Es geht um die großen Konzerne, die Regierungen erpressen und das Lohngefüge der Länder gegeneinander ausspielen. Bei soviel Wirtschaftsmacht bleibt die Demokratie auf der Strecke. Es geht auch anders.

Wenn Produktionsgewinne nicht einfach „abgefischt“ werden, sondern bei den Arbeitern ankommen, kann der Arbeitnehmer für das gleiche Geld statt 8 Stunden nur 5 Stunden arbeiten gehen. Wir bleiben dabei, Kritik zu üben und Probleme anzusprechen. Die Entwicklung in Deutschland und Europa – so befürchtet Sahra Wagenknecht – kann 2 Wege gehen, Fortschritt in der Entwicklung aller oder weitere Einschränkung der Demokratie.

Elke Rädisch