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2. November 2009

Kandidat Mario Sanders will neuen Stil ins Finsterwalder Rathaus bringen

Am 8. November wird in Finsterwalde der nächste Bürgermeister gewählt. Die RUNDSCHAU stellt die vier Bewerber vorab in ihrem persönlichen Umfeld vor.

Dass Mario Sanders (49) nicht in Finsterwalde geboren ist, wird ihm kaum ein Wähler beim Urnengang zur Last legen können. Schließlich zog er schon im Alter von drei Monaten mit seinen Eltern von Kirchhain in die Sängerstadt, geht somit als Einhemischer durch. In Finsterwalde ging er zur Schule, erlebte seine Jugend und die ersten Schritte im Berufsleben.

 

Die begannen mit der Ausbildung zum Autoschlosser, unterbrochen von seiner Zeit in der NVA, und anschließend als Sankra-Fahrer beim Krankenhaus Finsterwalde. Dort sollte Sanders auch die entscheidenden Wendepunkte seines Lebens finden. Denn während er sich neben der Arbeit in der Abendschule das Abitur erabeitete, funkte es zugleich im Privatleben. Auf der Inneren lernte er Krankenschwester Carola kennen, mit der Sanders bis heute verheiratet ist. „Ich habe ihr viel zu verdanken“, sagt der 49-Jährige heute. Denn trotz der Liebe zog es Sanders zum Studium nach Leipzig.  An der Karl-Marx-Universität brachte er es bis zum Diplomhistoriker. Nur der Abschluss der Doktorarbeit blieb im verwehrt, denn mit der Wende kam die Abwicklung, und seine Arbeit über die Politikwissenschaft im Faschismus, dargestellt am Beispiel der Leipziger Universität blieb unverteidigt.

 

Ein wenig wurmt Sanders dieser Sachverhalt bis heute. Doch statt weiter auf den Doktortitel hinzuarbeiten, kehrte er zurück in die Sängerstadt und machte sich selbstständig. Neben seiner Arbeit als freier Journalist, unter anderem für die RUNDSCHAU, arbeitet Sanders als Finanzberater, bietet seine Hilfe von Immobilienfinanzierungen bis hin zu Versicherungen an.

 

Doch das Multi-Talent hat noch weitaus mehr zu tun. Bei der Deutschen Angestellten Akademie (DAA) ist er als Dozent engagiert, berät Arbeitssuchende und bietet Kurse an. Zudem hat er als Leiter der Geschichtsmanufaktur zehn Arbeitslosen eine Beschäftigung geschaffen.  Sie befassen sich mit der Geschichte der Station junger Techniker und Naturforscher, des Segelflugplatzes und der Privilegierten Schützengilde befassen. „Wir suchen derzeit noch Sponsoren, um unsere Chroniken zu drucken“, macht der engagierte Heimathistoriker gleich noch ein bisschen Werbung.

 

Auch privat lässt ihn das Thema Geschichte nicht los. Sanders liest viel, wenngleich momentan eher Kommunalverfassung und Akten auf der Liste stehen. Parteipolitische oder Verwaltungserfahrung hat Sanders zwar nicht. Als langjähriger Landeselternsprecher hat er allerdings in Potsdam den politischen Prozess in verschiedenen Ministerien aus nächster Nähe erlebt, selbst an Gesetzen mitgearbeitet, das Bündnis für Bildung und Erziehung auf den Weg gebracht oder am Pädagogischen Landesinstitut Eltern bei der Durchsetzung ihrer Interessen beraten. „Ich habe viele Ideen für eine starke, soziale und zukunftsfähige Stadt, die ich natürlich auch gerne umsetzen würde.  Als Bürgermeister geht das wesentlich leichter“, sagt Sanders. Mit der Linkspartei, mit deren Unterstützung er nun in den Wahlkampf zieht, verbinden ihn gemeinsame Grundpositionen. „Das sind kommunalpolitische Vorstellungen, die ich gut vertreten kann“, sagt Sanders, der darüber hinaus eigene Ansichten hat. Er will einen neuen Kommunikationsstil in der Stadt entwickeln, alle Engagierten an einen Tisch bringen und mit ihnen gemeinsam Dinge anstoßen. Seine Augen leuchten, wenn er von seinen Ideen schwärmt. Ähnlich ist der Gesichtsausdruck aber auch, wenn er auf die zweijährige Enkelin zu sprechen kommt, mit der Sanders viel Freizeit verbringt – und natürlich wenn der Hobbyhistoriker sich mit der Heimatgeschichte befasst, zu deren Teil er am 8. November werden könnte.

Von Bodo Baumert